Palliativpfleger begleiten Menschen auf ihrem letzten Lebensweg

von | Feb. 4, 2025 | Presse

Zwei Palliativpfleger stehen vor dem Hospiz Schloss Bernstorf

Nicht weit von Grevesmühlen entfernt liegt das Hospiz Bernstorf

BERNSTORF. Auf jeder Etage des Hospizes Schloss Bernstorf steht eine hölzerne Laterne, in deren Innerem eine weiße Kerze steht. „Wenn die Kerzen brennen, ist jemand verstorben“, erklärt Ellen Kuhnt mit sanfter Stimme. Die 40-jährige Pflegerin begleitet die Bewohner in ihren letzten Momenten. An diesem Vormittag flackern die kleinen Lichter.

„Wie lange jemand bleibt, lässt sich selten vorhersagen“, erzählt Ellen Kuhnt. „Manche Gäste bleiben nur ein paar Stunden, andere Wochen oder Monate.“ Ganz bewusst werden die Bewohner Gäste und nicht Patienten genannt.

16 Wohneinheiten gibt es im Schloss Bernstorf. Die Tür eines Zimmers steht offen. Eine Frau liegt im Bett, eine Decke über den Beinen, der kleine Hund eines Mitarbeiters zu ihren Füßen.

„Hallo Frau R., wie geht es Ihnen heute?“, fragt Ellen Kuhnt mit einem Lächeln. Ein kurzes Gespräch, eine sanfte Berührung – es sind die kleinen Gesten, die den Tag für die Bewohner erträglicher machen.

Frau R. wohnt seit einem halben Jahr im Hospiz Schloss Bernstorf. In den nächsten Tagen wird sie wieder nach Hause ziehen. Der Zustand der Krebspatientin habe sich im letzten Jahr verbessert. Am Anfang sei sie dem Hospiz sehr skeptisch gegenüber gewesen, sagt Frau R. „Aber sterben muss ja jeder mal. Und hier ist es wirklich schön.“

Den Mitarbeitern und ihrem eigenen Ehrgeiz habe sie es zu verdanken, dass sie wieder gehen darf, sagt sie. Fünf Prozent der über 1000 Gäste haben das Hospiz in den letzten Jahren wieder lebend verlassen. Heike Röhr, die Frau des Geschäftsführers, nennt es „Das Wunder von Bernstorf“.

Gegen Mittag erfolgt der Schichtwechsel. Kollege Denny Köthke-Sprunk bekommt eine kurze Übergabe und startet mit einem Rundgang durch die Zimmer.

„Hier ist ein Kommen und Gehen“, sagt er. Stillstand gebe es im Hospiz nicht. Zu den Aufgaben der Pfleger gehört es, den Gästen beim Waschen und Anziehen zu helfen, für Schmerzmanagement zu sorgen und Gespräche mit Angehörigen zu führen.

Abgesehen von den Mahlzeiten können die Gäste ihren Tag selbst gestalten. Zur Mittagszeit erst Zähne zu putzen oder nachts zu duschen gehört ebenso dazu wie eine letzte Zigarette zu rauchen oder abends ein Glas Wein zu trinken. Rund um die Uhr stehen die Mitarbeiter den Gästen zur Verfügung.

„Viele Menschen glauben, dass Hospizarbeit nur traurig ist“, erzählt Denny Köthke-Sprunk. Es gebe aber auch viele erfüllende Momente, Freude und Dankbarkeit. Der Pfleger fühlt sich in der Palliativpflege wohl.

Doch nicht jeder Tag ist einfach. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen, neue Begegnungen – und oft auch neue Abschiede, sagt Ellen Kuhnt. „Wir weinen auch mal mit. Schönreden müssen wir hier nichts.“

Filmdreh im Hospiz Schloss Bernstorf

Im Sommer 2024 war das Hospiz Kulisse für den Dreh des Films „Ich sterbe. Kommst du?“. Der erzählt die Geschichte von Nadine, die Krebs im Endstadium hat. Ihre letzten Wochen verbringt die Mutter eines Sohnes im Hospiz. Resigniert blickt Nadine ihrem Tod entgegen, bis sie im Gemeinschaftsraum auf die lebensfrohe Marion trifft, die sich vom Sterben nicht unterkriegen lässt.

Das Drehbuch stammt von Regisseur Benjamin Kramme, der selbst ein Jahr lang im Hospiz gearbeitet hat. Beim 46. Filmfestival Max Ophüls Preis ist der Film im Januar 2025 mit dem Preis für den gesellschaftlich relevanten Film ausgezeichnet worden. Im Winter 2025/26 wird der Film im Kino laufen, ein Jahr später im Fernsehen.


Quelle

Der Beitrag erschien ursprünglich in der Ostsee-Zeitung, wurde am 4. Februar 2025 veröffentlicht und von Lena Bergmann verfasst.

2025-02-04_Ostsee Zeitung _Hospizarbeit und Filmdreh